German News

Ausländische Firmen in Tschechien weniger von der Krise betroffen als tschechische Unternehmen

02.02.2012 - 17:43 | Thema der Woche

Die Rezession im Jahr 2009 hat sich auf die einheimischen Firmen in Abhängigkeit von ihrer Eigentümerstruktur sehr unterschiedlich ausgewirkt. Aus einer von Drahomíra Dubská, Leiterin der Abteilung Komplexanalysen des Tschechischen Statistikamtes, verfassten Studie mit dem Titel „Ausländische Firmen in der Tschechischen Republik" geht hervor, dass sich die Krise vor allem auf tschechische private Unternehmen ausgewirkt hat, deren Bruttowertschöpfung im Vergleich zum Vorjahr um 11,7 % zurückging. Bei Unternehmen unter ausländischer Kontrolle betrug der Rückgang im genannten Zeitraum nur ein Viertel dieses Wertes. Ursache für die unterschiedliche Leistungsfähigkeit war nach Aussagen von Dubská vor allem die Ausrichtung der ausländischen Unternehmen auf den Export und die starke Auslandsnachfrage, auf deren Grundlage auch für 2010 und das erste Halbjahr des vergangenen Jahres mit einer höheren Leistung zu rechnen ist.

Hinsichtlich der Entwicklung der Eigentümerstruktur sei in den nächsten Jahren laut Dubská kein Anstieg des Anteils ausländischer Firmen in der verarbeitenden Industrie zu erwarten, das hänge mit dem Nachlassen des Zustroms ausländischer Direktinvestitionen in dieser Branche zusammen. Gerade in diesem Segment haben einheimische Firmen unter ausländischer Kontrolle bereits seit 2002 mehr als die Hälfte der Gesamtumsätze generiert. Zu den Branchen, in denen ausländisches Kapital zu mehr als 50 % überwiegt, gehört weiterhin der Maschinenbau, mehr als 60 % der Bruttowertschöpfung schaffen ausländische Firmen in den Segmenten Chemie, Elektrotechnik, ICT, Gummiindustrie, Raffinerien und Koksproduktion und in der Automobilindustrie. Den größten Einfluss hat ausländisches Kapital im Finanzsektor, wo der Anteil an der Gesamtwertschöpfung im Jahr 2010 bei 97,1 % lag.

Ein bedeutendes Potenzial für ausländisches Kapital stellt derzeit nach Ansicht von Dubská vor allem der Dienstleistungsbereich dar. Nach Angaben des Verbandes für Industrie und Verkehr der Tschechischen Republik seien die Möglichkeiten bei Großunternehmen ausgeschöpft. Der Verband sieht hier weiterhin Potenzial für Fusionen, insbesondere bei kleineren und mittelständischen Firmen. Insgesamt bleibt die Tschechische Republik für Direktinvestitionen weiterhin attraktiv durch Vorteile quantitativer Art, obwohl bei den Lohnkosten der Zuwachs der Einheitskosten in Tschechien im Rahmen der EU am höchsten war. Für das Jahr 2012 sei ein Rückgang der ausländischen Direktinvestitionen sehr wahrscheinlich, den gegenwärtigen Pessimismus in Bezug auf die Auswirkungen der Schuldenkrise auf die Waren- und Kapitalströme für die Tschechische Republik hält Dubská jedoch für übertrieben. Das geringere Wachstumstempo der tschechischen Wirtschaft hänge ihren Worten zufolge eher mit den Restriktionen und Unsicherheiten zusammen, die zur Verringerung der heimischen Nachfrage führen werden. Das dokumentiere die Entwicklung der Industrieumsätze, wo die Umsätze im Inland zurückgehen, keinesfalls aber die Exportumsätze.

 

Autor: Jan Neubert, redaktor ÈIA

WEITERE MELDUNGEN AUS DER RUBRIK

Das könnte Sie interessieren